Die Zeit bleibt nicht stehen, ganz im Gegenteil. Je älter man wird, desto schneller scheint die Zeit zu vergehen. Während unser Alter stetig nach oben steigt, nimmt die Zeit für Hobbys rapide ab.
Ein Gedanke der mir in den letzten Tagen erneut bewusst wurde und den ich persönlich sehr erschreckend finde.
Allerdings soll es in diesem Beitrag nicht direkt um die Zeit gehen, sondern viel mehr darum, wie ich Games mittlerweile genieße. Dies hat vor allem auch sehr viel mit dem Konsum zu tuen. Dafür müssen wir jedoch ein wenig in die Vergangenheit zurückreisen.
Meine Reise in die Gaming Welt
Ich will dir jetzt gar nicht meine komplette Geschichte mit Videospielen erzählen. Grundsätzlich zocke ich auch schon seit der Grundschule. Angefangen mit Pokémon auf dem Gameboy und auch auf der PlayStation 1 das ein oder andere Game. Jedoch war ich als Kind nie komplett im Thema drin. Wenn ich mal genau darüber nachdenke, habe ich sehr viel später erst angefangen mich richtig mit Games zu beschäftigen und auch viel mehr zu zocken. Die Leidenschaft hat mich erst einige Jahre später so richtig gepackt und das habe ich „The Elder Scrolls IV: Oblivion“ zu verdanken.
Oblivion war mein erstes RPG, welches ich gezockt habe. Damals zum ersten Mal bei meinem Cousin auf der Xbox 360 gesehen und für so gut befunden, dass ich meinen Eltern jede freie Sekunde davon erzählen musste. Letztendlich kam es so, dass ich zu Weihnachten eine Xbox 360 bekommen habe und mir wenige Tage später Oblivion von dem Weihnachtsgeld meiner Oma, bestellt habe. Kann mich an dem Tag noch ganz genau erinnern. Das Spiel kam am Geburtstag meiner Oma an und konnte – bevor wir los mussten, in das Spiel eine knappe Stunde reinspielen. Allein wann ich darüber nachdenke, fällt mir auf wie sehr sich das Feeling verändert hat.




Das Feeling Videospiele zu spielen hat sich von damals bis heute drastisch verändert. Gefühlt ist es irgendwie nicht mehr das gleiche. Ich will damit nicht sagen das ich in der heutigen Zeit gar keine Lust mehr auf Games habe – ganz im Gegenteil, ich liebe immer noch Videospiele. Jedoch fühlt es sich nicht mehr so aufregend an. Das liegt vermutlich auch einfach daran das früher vieles noch „neuer“ war und heute viele Sachen als selbstverständlich gesehen werden. Anders gesagt, es ist in der heutigen Zeit unfasssbar schwierig geworden, neues auszuprobieren bzw. überhaupt etwas zu finden, was es so noch nicht gegeben hat. Leider ist es ja so, dass sich Entwickler:innen oder eher die Firmen die das Game am Ende veröffentlichen, sich nicht mehr trauen viel neues auszuprobieren. Lieber werden Spielereihen weiter ausgeschlachtet, der fünfzehnte Teil von etwas rausgehauen, weil diese Marken eben bekannt sind und eher gekauft werden.
Indie Entwickler:innen sind da nochmal deutlich experimentierfreudiger.
Mein Konsumverhalten im Vergleich zu damals und heute
Die Spieleindustrie bleibt natürlich nicht stehen, diese wandelt sich und ist nicht mehr das, was sie vor zwanzig Jahren mal war. Letztendlich auch nichts schlechtes, denn alle ändern sich – was am Ende auch gut ist. Was die Spieleindustrie angeht, bin ich ein wenig hin und hergerissen.
Auf der einen Seite finde ich es klasse das wir Jahr für Jahr eine so große Auswahl an Games bekommen. Da sind AAA Games aber eben auch Indie Games dabei, was so früher ja auch noch nicht der Fall war. Kleine Studios die mit ihren kreativen Ideen ganz klar aus der Masse stechen und sich auf gar keinen Fall vor AAA Titeln verstecken brauchen.
Zeitgleich finde ich diese Entwicklung aber auch nicht ganz so geil. Klar, wie bekommen viele Games pro Jahr zum Zocken. Games die uns im besten Fall Spaß machen sollen. Allerdings ist das so eine Sache, wenn man von einer gewaltigen Menge erschlagen wird.Das jährlich hunderte von Games erscheinen ist jetzt natürlich auch nichts neues. Die Frage ist nur, wann Spieler:innen das alles spielen sollen? Es ist ja jetzt auch nicht so das Games immer kleiner werden, sondern zum Teil immer größer. Grundsätzlich alles gar kein Problem, ich selber spiele auch lieber Games die einen gewissen Umfang haben und in denen ich mich hunderte Stunden verlieren kann, jedoch bleiben dann andere Games auf der Strecke. Spieler:innen werden nicht jünger, wechseln irgendwann von er Schule in eine Ausbildung oder ins Studium und fangen dann an zu arbeiten. In der Regel und im besten Fall steht einem dann auch mehr Geld zur Verfügung, aber die Freizeit wird deutlich weniger. Es ist auf einmal mehr Geld da, aber weniger Freizeit und selbst das Geld wird immer weniger, weil alles teurer wird. Aber allein das die Zeit knapper wird, überlegt man sich mehrmals ob sich Videospiel XY lohnt oder ob es doch das andere Spiel werden soll. Vielleicht wartet man auch erstmal und spielt die anderen Games die irgendwann mal gekauft aber noch nicht gespielt wurden. Es ist irgendwie eine Art Teufelskreislauf, der anscheinend auch nicht enden möchte.
Ich selber habe mich auch sehr davon beeinflussen lassen. Vor allem dank Social Media ist es ja noch einfacher sich über gewisse Dinge zu informieren. Dann bekommen wir an der einen Ecke Empfehlungen zu einem Spiel und an der anderen Ecke warten bereits weitere Empfehlungen. Langsam bekommen wir Lust darauf die Games selber zu spielen. Ich selber bin sehr dafür anfällig gewesen bzw. bin es immer noch. Das ist natürlich mein eigenes Problem und kann letztendlich niemand was für. Jedoch ist mein Konsumverhalten in den letzten Jahren, vor allem seitdem ich arbeite und selber Geld verdiene, ein bisschen eskaliert. Vor allem im Bereich Gaming. Jedes neue Spiel will angezockt werden und alle sehen so interessant aus. Letztendlich kam ich nur dazu die Games für ein paar Stunden anzuzocken. Früher sah das alles ein wenig anders aus.
Damals …
Damals war alles irgendwie anders. Vor zwanzig Jahren kamen auch nicht so viele Games im Jahr raus wie heute. Es waren dennoch nicht wenige. Aber da durch das ich zu der Zeit noch kein eigenes Geld verdient habe und ich auch nicht direkt Taschengeld bekommen habe, konnte ich mir natürlich auch nicht jedes neue Spiel einfach so kaufen.
Zur PlayStation 2 Zeit war es zum Beispiel so, dass ich Wochen bzw. sogar Monatelang nur zwei Games hatte, mit denen ich mich dann ausgiebig beschäftigt habe. Meistens lief die PlayStation 2 auch nur, weil ich mit meinem Cousin zusammen Wrestling gezockt habe.
Zur Xbox 360 Zeit war dies ebenfalls nicht anders. Ich hatte Monatelang nur Oblivion zum Zocken, dennoch habe ich das Spiel nie durchgespielt, aber viele hundert Stunden in diesem verbracht. Irgendwann kam dann auch Tales of Vesperia, mein erstes JRPG, dazu. Auch hier habe ich sehr viele Stunden in dem Spiel verbracht, ohne auch nur auf die Idee zu kommen, ein anderes Spiel zu kaufen.
Ich erinnere mich auch noch gut an die Zeiten, als ich mir damals die PlayStation 3 von meinem Geburtstagsgeld zum 18. Geburtstag gekauft habe, um dort God of War III zu spielen. Grandioses Game und eine unfassbar grandiose Zeit gehabt. Damals habe ich übrigens auch das erste Mal ein Souls Game gespielt. Demon Souls gab es kostenlos dazu und ohne zu Wissen, worauf ich mich einlasse, habe ich mich in das Spiel gestürzt. Ehrlicherweise habe ich es auch nicht lange gezockt.Damals war es für mich noch irgendwie was besonderes, alles zu entdecken und mich über Wochen, wenn nicht sogar Monate, in ein Spiel zu stürzen. Es war einfach eine sehr befriedigende Sache, die ich heutzutage sehr vermisse, wenn ich ehrlich bin.
Und viele Jahre später?
Habe ja bereits erwähnt das sich mein Konsum verändert hatte, nachdem ich meine Ausbildung angefangen habe. Plötzlich stand mir mehr Geld zur Verfügung. Games wurden immer mehr und immer größer, schon änderte sich mein Verhalten und auch das, wie ich Games genossen habe.
Ich habe irgendwie verlernt Spiele richtig zu spielen. Wobei, es gibt natürlich kein „richtiges“ spielen bei Games. Alle sollen so spielen, wie es am meisten Spaß macht, dann spielt man ein Spiel richtig. Für mich hat sich das allerdings in eine Richtung entwickelt, wo ich von Spiel zu Spiel gesprungen bin. Ich hatte Spaß daran, wenn ich hunderte von verschiedenen Games zur Auswahl hatte. Habe allerdings kaum ein Game beendet, viele gar nicht erst angefangen und auf so viele Games Lust gehabt, dass ich am Ende gar nichts davon gezockt habe, weil ich mich nicht entscheiden konnte. Dies hat sich bis heute auch nicht zu 100% verändert.
Es war irgendwie nur noch so, dass ich die neusten Games ausprobieren wollte, um nichts zu verpassen. Unter anderem auch, weil ich damals schon einen Blog hatte und unbedingt über das Neuste vom Neusten schreiben wollte. Rückblickend betrachtet kann ich nur noch den Kopf schütteln, weil es mir aktuell einfach vollkommen egal ist, ob ich es schaffe über die neusten Spiele zu schreiben oder eben nicht. Wenn Games eine Demo bekommen, umso besser – dann gucke ich auch gerne rein und schreibe darüber, ansonsten warte ich halt. Es ist letztendlich auch eine Kostenfrage.
Nach vielen Jahren habe ich endlich wieder gelernt Spiele zu genießen
Nach dem ich mit dem Zocken entspannt angefangen habe, ist das über die Jahre zu einer nicht ganz so entspannten Beziehung zwischen mir und meinem Hobby geworden. Ich wollte immer mehr, so viel Auswahl wie nur möglich haben und immer das Neuste vom Neusten. Ähnliches Verhalten auch bei diversen online Games, wo ich vor wenigen Jahren noch durch gerannt bin um so schnell es geht alles freizuschalten.
Vor allem in diesem Jahr ist mir bewusst geworden, wie ungesund das eigentlich ist. Wie ungesund das für mich ist. Will hier natürlich niemandem sagen, wie man Games zu konsumieren hat und sollte letztendlich auch jede:r für sich entscheiden. Mir zumindest ist bewusst geworden, dass ich das so nicht mehr machen möchte und das ist mir vor allem zu dem Zeitpunkt bewusst geworden, als ich dieses Jahr Tales of Arise auf der Nintendo Switch 2 gezockt habe und eigentlich ist mir das schon letztes Jahr im Dezember bewusst geworden, als ich meine WoW Phase hatte.
Das Konsumverhalten und das Genießen an sich, hat sich so sehr verändert, dass ich eigentlich gar nicht mehr richtig genießen konnte. Es war zu viel, was zeitlich halt auch gar nicht wirklich möglich ist. Ich gehe Vollzeit arbeiten, habe noch ein privat Leben, eigene Projekte und Hobbys, denen ich Aufmerksamkeit schenken möchte.
Durch meine letzte WoW Phase habe ich erst gemerkt, wie sehr ich die Welt von WoW vermisst habe und wie viel Spaß es eigentlich macht, alles in einem ruhigen Tempo anzugehen, sich Zeit für die Quests zu nehmen, einfach mal durch die Gebiete zu laufen. Während ich vor drei oder vier Jahren noch von Quest zu Quest gerannt bin, nur um so schnell wie möglich einen Charakter auf max Level zu bekommen, fühle ich das heute gar nicht mehr. Ich möchte in die Welt eintauchen, diese erkunden und alles gemütlich angehen. Wenn ich einfach nur Bock darauf habe, durch die Gegend zu laufen, ein bisschen Ressourcen zu sammeln oder Berufe zu leveln, dann mach ich genau das. Für mich ist WoW im letzten Jahr wie ein zweites Zuhause geworden, vor allem weil ich eben auch viele schöne Erinnerungen von vor zwanzig Jahren an dieses Spiel habe.
Gleiches gilt auch für Single-Player Games. Ich will nicht mehr durchrennen, nur damit ich das Spiel so schnell wie möglich durchgespielt habe. Ich möchte das Gameplay genießen, in die Welt eintauchen und mit den Charakteren eine Geschichte erleben. Aber am liebsten möchte ich einfach nur ein geiles Gameplay haben, welches mich abschalten lässt. Und ja, wenn ich mal Lust auf ein anderes Game habe, dann kann ich natürlich Spiele auch pausieren und beschäftige mich dann mit einem anderen Game. Natürlich muss auch nicht jedes Spiel beendet werden. Es gibt einige Games die ich liebe, aber dessen Ende ich noch nie gesehen habe. Baldurs Gate 3 fühle dich ruhig angesprochen!
In der heutigen Zeit ist es letztendlich nicht einfach bei der Masse an Games, dass eine Spiel zu finden, welches dich oder mich komplett erfüllt. Vor allem aber ist es leider auch nicht möglich jedes Spiel, welches in einem Jahr rauskommt, durchzuspielen. Allein die Games, die im September erscheinen, würden vermutlich für viele Monate, wenn nicht sogar Jahre reichen, um diese ausgiebig zu spielen.
erstes Viertel · entstanden am 19. August 2026
Kommentare (0)