Es gibt unzählige Geschichten, so viele Geschichten das es beinahe unmöglich ist überhaupt ein Buch – aus den vielen anderen Büchern, auszuwählen, welches dein absolutes Lieblings-Buch ist. Eigentlich dachte ich bis vor kurzem auch dass das gar nicht möglich sei, ich konnte dir bis vor wenigen Wochen noch nicht mal genau sagen, welches Buch mein absoluter Favorit ist. Das ganze hat sich nun etwas verändert bzw. könnte sich nochmal deutlich verändern.

Ich habe die letzten Wochen das Buch „Das Buch der gefallenen Blätter“ von A. S. Tamaki gelesen. Dies ist der erste Teil der Reihe „Herbst des Imperiums“ und ist auf deutsch beim Verlag „Klett Cotta“ am 15.08.2026 erschienen. Vermarktet wird das Buch als Fantasy Ereignis des Jahres und als eine Mischung aus Shogun und Game of Thrones. Vor allem hat mich das düstere Setting des Buches angesprochen, besonders als ich die Leseprobe gelesen habe, war ich sofort begeistert – allerdings hat der Prolog zuerst eine ganz andere Erwartung bei mir hinterlassen. 

In diesem Beitrag möchte ich dir ein wenig über das Buch erzählen, über meine Erwartungen, was ich am Ende bekommen habe und auch worum es in diesem Buch geht.

Darum geht’s in „Das Buch der gefallenen Blätter“

Die Geschichte spielt in einem düsteren alten Japan, in einer Welt in der Nettigkeiten nicht unbedingt an der Tagesordnung sind. 

Es ist schwierig zu beschreiben worum es geht, ohne direkt zu Spoilern. Grundsätzlich geht es in der Geschichte um Macht, Opfer, Verrat, Rache und das zwischenmenschliche der Charaktere. 

Die Macht wurde vor vielen Jahren von einem Clan ergriffen, welcher anschließend von einem – eigentlich verbündeten Clan, verraten wurde. Jedoch ging dieser Versuch nach hinten los. Daraufhin wurden viele der Mitglieder des Gensei Clans getötet, unteranderem auch das Oberhaupt – der Vater von Sen und Kai. 

Der Keishi Clan behielt die Macht über viele Jahre, zog die Fäden und tat alles um weiterhin an der Macht zu bleiben. Besonders wenn es um deren Familie geht, gehen diese über Leichen. 

Jedoch haben einige der Gensei Mitglieder überlebt, sind untergetaucht und haben Schutz bei anderen gefunden. So auch einer unserer Protagonisten Sen, welcher bei seiner Ziehmutter Iyo aufgewachsen ist – die Fürstin eines Landes. Im Grunde hat er ein relativ friedliches Leben gelebt, denn keiner wusste das er überlebt hatte, nicht mal seine Schwester Kai.

Aber wie es eben oftmals in solchen Geschichten so ist, bleibt der Frieden nicht immer. Ein erneuter Krieg steht kurz bevor, denn einige schmieden weiterhin Pläne gegen die Herrschaft der Keishi und wollen ihre Verbündeten erneut zusammenkommen lassen um gegen das Heer ihrer Feinde zu bestehen. Dies scheint allerdings nicht die einzige Bedrohung zu sein die gefürchtet werden sollte.

Ein faszinierendes Worldbuilding und tolle Erzählweise

Die Welt, die mit diesem Buch geschaffen wurde ist verdammt gut umgesetzt. Ich war damals auf der Suche nach einer epischen Fantasy Geschichte die einen relativ düsteren Vibe hat und eben auch Magie bietet. Im Grunde habe ich genau das bekommen, zumindest fast. Die Magie fehlt oder ist zumindest nicht so vorhanden, wie man es sich eventuell vorstellt. Das ist jedoch nichts negatives.

Die Welt ist brutal, düster und zum Teil auch etwas schaurig. Mir hat es zumindest sehr viel Spaß gemacht in diese Welt einzutauchen, auch wenn ich sagen muss das ich besonders in der ersten Hälfte oft verwirrt vor dem Buch saß und mir dachte, was denn jetzt auf einmal passiert ist, oder anders gesagt: Dadurch das eben die Welt so riesig ist, es viele Konflikte gibt und somit auch sehr viele verschiedene Charaktere und Clans, kann es sein das man den Faden schonmal verliert. 

Dies ist mir hin und wieder passiert, wo ich an einigen Stellen überlegen musste, welcher Charakter das nochmal war, bei welchem Clan befinden wir uns nun und wer ist nun eigentlich der Feind? Eigentlich ist letzteres offensichtlich aber ab und zu auch irgendwie nicht. 

Das Buch hat keinen wirklich einfachen Einstieg, vor allem wenn man es als Leser:in nicht mag, dass sehr viel geredet und allgemein einiges erklärt wird, aber genau das ist hier auf jeden Fall nötig, weil man sonst vermutlich gar nichts verstehen würde. 

Es ist letztendlich so das wir eine riesige Welt haben, an das alte Japan angelehnt, mit vielen verschiedenen Clans die miteinander verbündet oder verfeindet sind. Dabei ist die Erzählweise für dieses Buch genial gewählt:

Der Prolog

Als ich die Leseprobe begonnen hatte, hat mich der Prolog sofort gehabt. Mein Interesse war von den ersten paar Seiten geweckt. Es war düster, dreckig und brutal. Genau das, was ich zu dem Zeitpunkt gesucht habe. Zeitgleich war es aber auch irgendwie mysteriös, rätselhaft. Ich wusste nicht so wirklich wohin die Reise gehen wird.

Im Prolog begleiten wir im Grunde Dämonen. Dämonen werden hier nicht als abscheuliche Kreaturen dargestellt, vielmehr wie Menschen – was ironischerweise nicht passender sein könnte. Auf dem ersten Blick unscheinbar, auf dem zweiten schon beängstigender und auf dem dritten Blick lassen diese einen erschaudern. 

Dämonen sind Wesen die auf der einen Seite mysteriös, rätselhaft wirken, zeitgleich so harmlos wirken aber auch unfassbar brutal sind. So begleiten wir diese im Prolog, auf einem sehr blutigen Weg und das Interesse ist sofort da. Als Leser:in will man sofort wissen wie es weitergeht. 

Und nach dem Prolog

Nach dem Prolog sieht das Ganze wieder etwas anders aus. Der Vibe verändert sich leicht. Nicht mehr ganz so düster, aber immer noch bedrückend. Von Beginn an merkt man das die Welt alles andere als ungefährlich ist.

Wir lernen die einzelnen Charaktere kennen. Sen, Rui und viele weitere. Das spannende ist hier jedoch das wir in jedem Kapitel einem speziellen Charakter begleiten. Wir haben also nicht mehrere Kapitel hintereinander wo wir zum Beispiel nur Sen auf seinem Weg verfolgen – dies wechselt von Kapitel zu Kapitel. Das macht die Erzählweise so unglaublich dynamisch. Es kommt zu keinem Punkt Langeweile auf und in der Regel enden die Kapitel auch immer so, dass wir als Leser:innen unbedingt dran bleiben möchte um zu erfahren, wie es mit dieser Person weitergeht. 

So springen wir von Kapitel zu Kapitel zu den einzelnen Charakteren. Wir bekommen verschiedene Einblicke spendiert, erfahren viele Informationen über die eine aber auch über die andere Seite. Wir begleiten sowohl die Feindliche Seite, als auch die – die für das gute kämpfen. Obwohl, ist es wirklich das Gute für das gekämpft wird? Die einen kämpfen um an der Macht zu bleiben. Die anderen um Freiheit zu erhalten. 

Hier haben Leser:innen eben einen sehr großen und weiten Blick auf die Geschehnisse. Man ist zum einen an dem einen Ort und direkt als nächstes befindet man sich ganz wo anders. Fand ich super spannend und hat unfassbar viel Spaß gemacht zu lesen. 

Und was ist mit der Magie?

Die Magie ist da, aber irgendwie auch nicht. Es ist jetzt nicht so das wir hier Magier haben die sich mit Feuerbällen beschießen oder irgendwelche Kreaturen beschwören. Vielmehr ist es so das diese nur subtil vorhanden ist. Vielmehr ist es so, dass das ein Werkzeug der Götter bzw. Wesen ist, die über den Menschen stehen. 

Wo wir schon beim Thema Götter sind, denn diese spielen eine relativ wichtige Rolle, wenn auch nur mehr als Zuschauer und nur teilweise als helfende Hand. Von denen wird oft geredet, einiges wird auch als mystisch beschrieben, über Flüche wird gesprochen, aber so wirklich bekommen Leser:innen dies nicht mit. Wie gesagt, es ist vielmehr unterschwellig vorhanden, eben eine Sache die nicht greifbar ist.

Dennoch hat die Welt etwas mystisches an sich. Eine Welt voller Mythen, irgendwas geheimnisvolles verbirgt sich in dieser beängstigenden Welt. Hier möchte ich aber auch gar nicht weiter drauf eingehen, dafür müsste ich zu viel verraten. Es ist vielmehr etwas, was du selbst entdecken solltest. 

Immerhin ist es doch das, was Lesen ausmacht oder?

Fazit

Ich für meinen Teil kann das Buch nur weiterempfehlen, vor allem dann wenn du Fantasy liebst, nach etwas suchst das schön düster ist – aber auch nicht zu sehr, und mit einer relativ brutalen Welt daherkommt. Außerdem kann es helfen, wenn man Japan mag.

Ich habe kaum was auszusetzen, bis auf eventuell das, dass vieles zu Beginn verwirrend wirkt. Es ist viel was Leser:innen sich merken müssen, außerdem passiert zu Beginn nicht all zu viel. Es wird von Charakter zu Charakter gesprungen, wir lernen diese langsam kennen, diese reden mit anderen Charakteren und wir erfahren von deren Konflikten. Das Tempo ist zu Beginn relativ langsam und sicherlich hätte man hier auch das ein oder andere rausnehmen oder zumindest einen Gang hochschalten können. Wenn ich aber ehrlich bin, mochte ich genau das, dass es zu Beginn ein eher langsames Tempo hatte und man sich Zeit für die Charaktere und deren Probleme genommen hat. Zum Ende hin wurde das Tempo ordentlich erhöht, für meinen Geschmack etwas zu sehr – aber das ist nichts, was ich jetzt unbedingt kritisieren muss.

Der Schreibstil war super, man flog nur so über die Seiten und die Kapitel waren auch nie zu lang – was ich persönlich sehr mochte. Ich mochte auch die Charaktere sehr und habe teils richtig mitgefühlt und einige Charaktere richtig hassen gelernt. So viel Hass für den ein oder anderen Charakter habe ich selten bei einem Buch gespürt, wie es hier der Fall war.

Kurzgesagt: Es war eine tolle Reise, schön und brutal zu gleich mit vielen interessanten Charakteren die ich sehr lieb gewonnen habe von denen ich mich zum Teil aber leider auch verabschieden musste.

Für mich ist „Das Buch der gefallenen Blätter“ eins der besten – wenn nicht sogar das beste Buch, welches ich gelesen habe. Eventuell sogar die beste Reihe, was natürlich vom zweiten Band abhängig ist. Bis Band 2 jedoch erscheint, wird es noch dauern. Die englische Version soll wohl nächstes Jahr im April erscheinen. Mit der deutschen Version rechne ich aber nicht vor Ende 2027 bzw. Anfang 2028. Auch wenn das echt traurig ist, freue ich mich schon sehr darauf. 

Und ja, für mich ist dieses Buch mein neues absolutes Lieblings-Buch.

zunehmende Sichel · entstanden am 14. Oktober 2026