Direkt nach dem ich den dritten Band beendet habe, hatte ich das Bedürfnis in den vierten Band zu schauen – vor allem auch, weil die zweite Ära nicht ganz so gut wegkommt, wie die erste. Wobei man hier auch sagen muss das der vierte Band gar nicht so schlecht bewertet ist. Jedoch habe ich öfters gehört, dass viele die Richtung, in der sich die Reihe ab dem vierten Band bewegt, nicht mögen. Daher wollte ich mir mal selber eine Meinung bilden und ich glaube ich weiß was vielen hier nicht so gefällt.

Ich habe jetzt öfters mitbekommen das die Meinungen zwischen Band eins bis drei und ab Band vier sehr weit auseinandergehen. Die erste Ära sei genial und ab Band vier könnte man die Reihe auch einfach ignorieren, weil diese nichts mehr mit dem zu tuen hat, was „Die Nebelgeborenen“ ausgemacht hat. Mit dem vierten Band läutert Brandon Sanderson nämlich eine komplett neue Ära in der Welt der Nebelgeborenen ein: Die Wax & Wayne Reihe. Die Namen Wax und Wayne sind hier tatsächlich Programm, denn das sind die beiden Protagonisten aus der zweiten Ära und die Aussage dass das alles nicht mehr mit der eigentlichen Reihe zu tuen hat, ist nur halb richtig. Dazu gleich mehr, klären wir doch erst einmal worum es genau geht.

Hüter des Gesetztes: Ein Adliger der für die Schwachen kämpft?

Adlige wurden in den vorherigen Bänden nicht unbedingt als Sympathieträger dargestellt, bis auf wenige Ausnahmen. Wir wissen also das Adlige sich in der Regel nur um sich und ihren Ruf selber kümmern. Was bei anderen los ist, ist relativ regal und scheint auch nicht sonderlich von Interesse.

Im vierten Band der Reihe begleiten wir Wax, welcher sich zu Beginn der Geschichte auf einer kleinen Mission im Rauland befindet, in der er einen Schurken erledigen soll. Das Ganze läuft jedoch nicht ganz so wie geplant und schon befinden wir uns mit Wax in der Metropole Elantel. Eine technisch sehr fortschrittliche Stadt, in die Wax zurückgekehrt ist, weil die Pflichten seiner Familie ihn eingeholt haben. Er selber ist nicht nur Gesetzteshüter im Rauland, sondern auch ein sogenannter Zwillingsgeborener – welcher neben allomantische auch ferrochemische Fähigkeiten besitzt. Wax kann zum einen Stahl verbrennen und so gegen Metall drücken und zeitgleich kann er in einem Metallgeist sein Körpergewicht speichern und sich somit leichter oder schwerer machen. Jedoch ist Wax auch von adliger Abstammung und durch den Tod seines Onkels soll er sich nun um die Geschäfte des Hauses kümmern. Dies jedoch erweist sich gar nicht als zu leicht, da das Haus kein Geld mehr hat.

Während Wax also nun versucht ein normales Leben als Adliger zu leben, gehen in der Stadt merkwürdige Dinge vor sich. Waren verschwinden und neuerdings werden auch Personen entführt und tauchen nicht mehr auf. Eines Tages trifft er auf seinen alten Freund Wayne, welcher ihn gesucht hat um mit ihm genau dies zu untersuchen, was Wax jedoch zu Beginn ablehnt. Durch gewisse Zufälle und durch eine weitere Entführung ist der ehemalige Gesetzeshüter dazu gezwungen etwas zu unternehmen. Menschenleben stehen auf einmal auf dem Spiel, dies muss auf jeden Fall verhindert werden.

Die Nebelgeborenen 4 kommt mit einem vollkommen neuen Vibe daher!

Was einem von der ersten Seite direkt ins Auge springt ist das neue Feeling der Reihe. Während die ersten drei Bände einen eher düsteren und etwas bedrohlicheren touch hatten, ist dies hier vollkommen verschwunden. Beim Lesen wird einem schon noch bewusst das diese Welt alles andere als harmlos ist, aber eben dieses düstere und die tödliche Gefahr, welche an jeder Ecke lauerte, ist hier nicht mehr vorhanden.

Mit der Wax & Wayne Reihe schlägt Brandon Sanderson einen anderen Weg ein. Teilweise wirkt das alles nicht mehr ganz so wie ein typisches Fantasy Abenteuer. Vielmehr wirkt es wie ein Western mit Cowboys. Dies liegt aber auch vor allem am Rauland, welches so dezente Western-Vibes versprüht, aber eben auch das hier nicht mehr hauptsächlich mit Schwertern und der Allomantie selber gekämpft wird, sondern mit Schusswaffen.

Schusswaffen sind hier sehr präsent, denn gefühlt jeder hat eine. Alles wirkt zum Teil moderner. Klar, die Geschichte spielt 300 Jahre nach den Geschehnissen des dritten Bandes, somit ist es ja nur normal das sich die Zivilisation weiterentwickelt. Allomantie ist immer noch präsent, aber eben auch anders als zuvor. Menschen haben sich weiterentwickelt, es gibt zum einen nun Menschen die Kolossblut in sich haben und auch einige die eben nicht nur Allomantie sondern auch Ferrochemie benutzen können. Nebelgeborene selber jedoch spielen aktuell keine so große Rolle, außer eben in der Legende. Hinzukommt das die ganze Bevölkerung technisch fortgeschrittener ist – halt genau das was die Menschen viele Jahre unter der Herrschaft des obersten Herrschers nicht konnten. Genau dies war nach dem dritten Band – nach dem die große Bedrohung ausgeschaltet wurde, möglich.

Ich kann mir hier allerdings auch vorstellen das sich der Vibe innerhalb der neuen Reihe nochmal verändert. Vor allem, wenn man das Ende kennt, weiß man sicherlich was ich damit meine.

Wax, Wayne und die Charaktere

Im ersten Band der Wax & Wayne Reihe lernen wir einige neue Charaktere kennen. Einige die vermutlich keine sonderlich große Bedeutung für den weiteren Verlauf haben werden, aber auch viele Charaktere die eben schon im ersten Band richtig tief mit dem Kopf im Geschehen stecken.

Zum einen haben wir Wax und Wayne die nicht unterschiedlicher sein könnten, aber dennoch spürt man zwischen den beiden eine sehr enge Freundschaft. Wax ist eher derjenige, der logisch vorgeht. Er geht nicht gerne mit dem Kopf durch die Wand. Er ist aber auch ein berühmter Gesetzteshüter, welcher ebenso gefürchteter wird. Im Grunde eine ganze Armee in einer Person.
Wayne hingegen ist der etwas lockere Typ, der sich auch gerne mal ohne Nachdenken ins Getümmel stürzt. Aber genau diese beiden Gegensätze ergänzen sich innerhalb der Geschichte so unfassbar gut. Beide werfen sich gerne mal Sprüche an den Kopf, was die ganze Story schön aufgelockert hat und allgemein das ganze Feeling des Buches etwas weniger ernst wirken ließ.

Als drittes Mitglied dieser sehr spannenden Truppe haben wir Marasi. Sie selbst studiert Jura und hat eine Vorliebe für alles was mit Kriminalität zu tuen hat, vor allem liebt sie Statistiken und ist ein großer Fan von Wax dem Gesetzteshüter. Sie kennt gefühlt alle Geschichten und ist den beiden daher auch eine sehr große Hilfe.

Ich liebe hier vor allem die Dynamik zwischen den Charakteren und das ist etwas, was sich von den ersten drei Bänden ebenfalls unterscheidet. Klar, wir hatten auch im ersten bis dritten Band viele Personen, auch sehr viele tolle Charaktere die sich ebenfalls gut in die Geschichte integriert haben. Allerdings hatte ich das Gefühl das im vierten Band diese Dynamik nochmal viel deutlicher zu spüren ist und eben auch mehr zusammen gemacht wird. Zu vor war es auch oft so das wir Vin oder Kelsier alleine erlebt, das Charaktere viel mit sich selbst ausgemacht haben. Bei „Hüter des Gesetzes“ erleben wir die Charaktere vielmehr zusammen, wie sie miteinander interagieren, Späße machen und eben auch gemeinsam kämpfen.

Mein Fazit

Ich hatte sehr viel Spaß mit dem vierten Band und eigentlich mochte ich auch diese Abwechslung zu den vorherigen Bänden sehr. Jedoch muss ich auch sagen, dass ich es nachvollziehen kann, dass einige den neuen Vibe nicht so mögen. Leser:innen dürfen hier auf gar keinen Fall mit der Einstellung drangehen, eine düstere Fantasy Geschichte zu lesen, so wie es bei den ersten drei Bänden der Fall war.

Die Wax & Wayne Reihe brauchte auch bei mir einige Seiten, bis diese komplett gezündet hat. Mochte zu Beginn den Vibe ebenfalls nicht, je mehr Seiten ich jedoch gelesen habe, desto mehr konnte ich mich von der ersten Ära losreißen und mich auf was neues einlassen. Vor allem schrieb Brandon Sanderson selber das er mit dieser neuen Reihe was etwas leichteres haben wollte, neben den sonst so schweren Fantasy brocken.

Genau das bekommen wir hier auch.

Das Buch ist sehr gut geschrieben und lässt sich flüssig weglesen, wie Leser:innen es von Brandon Sanderson eben gewohnt sind. Es wirkt wie eine völlig neue Reihe, aber eben mit dem Unterbau der Nebelgeborenen, welcher über die ersten drei Bände aufgebaut wurde. Die Welt wurde in den ersten drei Büchern aufgebaut, am Ende zerstört und nun bekommen wir Leser:innen mit dem vierten Band eine neue Nebelgeborenen Reihe mit einer Welt die uns eigentlich bekannt sein sollte, aber dennoch so fremd ist. 300 Jahre sind immerhin seitdem vergangen und vieles hat sich sehr verändert. Vor allem die Menschen, die Technik, auch die Allomantie und eben auch die Gesetze.
Brandon Sanderson schafft es wirklich gut die vorherigen Bände zur Legende werden zu lassen und mit dem vierten Band eine neue Geschichte zu erschaffen, mit ein paar kleinen Überraschungen.

Jedoch sollte man jetzt auch nichts extrem tiefgründiges erwarten. Es liest sich etwas leichter, vieles muss nicht mehr nach und nach aufgebaut werden, da es eben schon vorhanden ist und die Allomantie ist auch nicht mehr ganz so rätselhaft. Dennoch ist es keine schlechte Geschichte. Ganz im Gegenteil. Vor allem im letzten Abschnitt des Buches legt die Story nochmal ordentlich zu und hinterlässt Fragen bei Leser:innen. Genau das macht direkt Lust mit dem fünften Band weiterzulesen, weil man unbedingt erfahren möchte, wie es weitergeht.

Obwohl die Geschichte – zumindest im ersten Teil der neuen Reihe, keine extrem tiefgründige Story aufweist, gibt es dennoch schwierige Themen die aufgegriffen werden. Zum einen ist es schön wie die Menschen mittlerweile zusammenleben. Adlige aber eben auch nicht adlige. Es gibt Gesetzte und sogar eine Polizei die eigentlich dafür da ist, dass andere diese einhalten. Dennoch zeigt uns die Geschichte auch, dass es weiterhin Probleme in mitten der Gesellschaft gibt. Wir haben eine riesen große Metropole wo es den Menschen einigermaßen gut geht. Jedoch gibt es außerhalb das Rauland, wo es wieder ganz anders ausschaut. Menschen die vergessen wurden und unter den Konsequenten einflussreichere Leute leiden. Menschen die für was größeres ausgenutzt und manipuliert werden ist auch hier gefühlt der Alltag.

Ich für meinen Teil werde die Reihe auf jeden Fall weiterverfolgen und freue mich auch schon auf den fünften Band, brauche allerdings jetzt auch erstmal nach dem dritten und vierten Band – die ich hintereinander gelesen habe, etwas anderes.

abnehmende Sichel · entstanden am 7. September 2026