Der Astronaut von Andy Weir war mein erster Science Fiction Roman und wird vermutlich auch nicht mein letzter gewesen sein. So skeptisch ist gegenüber dem Genre war, desto positiver überrascht war ich letztendlich, als ich auf einmal mitten drin im Geschehen war.
Science Fiction und ich war eigentlich immer eine Kombination die nicht kompatibel war. Dabei war es nie so, dass ich es nicht versucht hätte – ganz im Gegenteil. Ich habe natürlich den ein oder anderen Film, die ein oder andere Serie oder auch das ein oder andere Game in diesem Genre ausprobiert. Vieles davon habe ich sogar durchgezogen, aber das der Funke übergesprungen ist, war nie der Fall. Um es einmal auf den Punkt zu bringen, alles was mit dem Weltraum zu tuen hatte, konnte mich nie wirklich abholen.
Allerdings stimmt „nie abholen“ auch nicht mehr so ganz. Mit dem Buch „Der Astronaut“ von Andy Weir, welches bei uns im Heyne Verlag am 15.03.2023 erschien, sieht die ganze Thematik etwas anders aus. Mein Interesse gegenüber dem Genre ist zumindest wachgerüttelt worden.
Der Astronaut: Wenn das Schicksal der Menschheit in den Händen einer Person liegt
Ryland Grace – der Protagonist der Geschichte, findet sich auf einmal in einem Raumschiff wieder. Noch ist er etwas verwirrt und kann nicht wirklich einordnen, was hier gerade passiert – geschweige denn wo er sich überhaupt befindet.
Er ist der einzige Überlebende von insgesamt drei Mitgliedern des Teams, die auf eine Raumfahrtmission, ins Tau Ceti Sternsystem, geschickt worden – welches sich Millionen von Kilometer von deren Zuhause entfernt liegt. Die Frage ist jedoch, wieso ist er der Einzige, der überlebt hat? Warum sind die anderen beiden Mitglieder des Teams tot?.
Trotz anfänglicher Gedächtnislücken wird es ihm langsam immer klarer, wieso er sich auf dieser Mission befindet. Als einziger Überlebender, ist er für den Erfolg der Mission verantwortlich, aber nicht nur das, denn an dem Erfolg dieser Mission hängt auch die Zukunft der gesamten Menschheit.
Im Weltraum ganz allein auf sich gestellt
Ein Protagonist der im Weltraum alleine auf sich gestellt ist, klingt erst einmal nicht sonderlich spannend. Dennoch schafft es der Autor die Leser:innen bei Laune zu halten. Dies liegt zum einen daran, wie das Buch geschrieben ist, aber eben auch daran das hin und wieder zwischen Gegenwart und Vergangenheit gewechselt wird.
Das Buch ist unfassbar gut geschrieben. Ich selber bin kein Schnellleser, dennoch hatte ich hier keinerlei Probleme über die Seiten zu fliegen und es fühlte sich einfach so an, als würde ich das Buch in kürzester Zeit verschlingen, so sehr hat es mir Spaß gemacht, mich von Seite zu Seite zu lesen. Dabei hatte ich die Vermutung, als ich mich für das Buch entschieden hatte, dass ich deutlich länger brauchen werde, weil es eben mein erstes Buch in diesem Genre ist und es sicherlich einige Holpersteine geben wird, über die ich stolpern werde. Letztendlich war dies zu keinem Zeitpunkt der Fall. Für Genre-Anfänger also eigentlich das perfekte Buch.
Vor allem aber ist das Buch nicht trocken geschrieben. Dadurch das es eben in der Ich-Perspektive erzählt wird, fühlte ich mich dem Protagonisten relativ nah, was ihn unteranderem auch lebendiger hat wirken lassen. Außerdem liebe ich die Art, wie Ryland mit sich selbst redet und seine Situation rüberbringt. Es wirkt eben nicht langweilig, sondern spannend aber auch lustig, was wiederum auch dafür sorgt dass das Setting nicht zu einsam wirkt.
Dies ist übrigens auch ein gutes Stichwort: Die Einsamkeit, ein Mensch alleine im Weltraum auf sich gestellt, wird im Buch richtig gut rübergebracht.
Neben dem wirklich angenehmen Schreibstil bietet das Buch auch eine gewisse Abwechslung, die Leser:innen vielleicht zu Beginn nicht direkt auf dem Schirm haben werden. Zwar spielt die Handlung hauptsächlich im Weltraum bzw. im Schiff, aber wechselt immer wieder zwischen der Gegenwart (also das was gerade im Schiff passiert) und der Vergangenheit. So werden wir, wie der Protagonist auch, zu Beginn ins kalte Wasser geworfen. Wir wissen nicht was gerade abgeht oder wo sich der Protagonist befindet. Genau das macht die Geschichte letztendlich auch aus. Mit dem Lesen selber versuchen wir mit dem Protagonisten herauszufinden, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Eine Situation die nicht alltäglich ist und von der ersten Seite an einige Fragen hervorruft.
Plötzlich sind wir im nächsten Absatz aber an einem ganz anderen Ort. Ryland Grace schlürft auf einmal Kaffee in einem kleinen Lokal. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit funktioniert extrem gut und die Übergänge sind wirklich gut gemacht. Es ist zu keinem Zeitpunkt so, dass ich verwirrt war und nicht mehr wusste, was jetzt gerade passiert.
Allein durch diesen Wechsel, der immer wieder im Buch stattfindet, kommt eine wundervolle Dynamic zustande, die die Geschichte nochmal spannender macht. Vor allem ist das, was in der Vergangenheit passiert, für die Handlung sehr wichtig. Sowohl der Protagonist, als auch wir Leser:innen wollen natürlich wissen, wie er überhaupt in diese Lage gekommen ist.
Leser:innen erleben nicht nur was in der Gegenwart des Buches passiert, sondern auch wie er nach und nach seine Erinnerungen zurückbekommt und somit was in der Vergangenheit vorgefallen ist. Langsam aber sicher kommen seine Erinnerungen also zurück.
Mein Fazit
Ich als vollkommender Science Fiction Anfänger kann auf jeden Fall bestätigen, dass sich „Der Astronaut“ perfekt als Einstieg eignet, wenn du das Genre gerne mal ausprobieren möchtest. Es hat keinerlei Hürden, die es Leser:innen – die bisher keine Berührung mit dem Genre hatten, schwer machen in dieses einzusteigen.
Es ist wirklich schön geschrieben, vor allem sorgt die Ich-Perspektive nochmal für etwas mehr Tiefe und als Leser:in fühlt man sich dem Protagonisten auf eine gewisse Weise verbunden. Ryland Grace erzählt alles sehr sympathisch und auch teilweise auf einer sehr witzigen Art, was das Lesen nochmal spaßiger macht.
Die Charaktere wachsen einem auch sehr schnell ans Herz und die Beweggründe, wieso ein Charakter was macht, sind auch gut nachvollziehbar, auch wenn vielleicht die ein oder andere Person nicht ganz so gut wegkommt. Vor allem bietet das Buch, auch wegen den Charakteren und eben dadurch wie es geschrieben ist, nicht nur Spannung sondern auch eine ordentliche Portion Emotionen. Das Ende fand ich zum Beispiel perfekt für diese Geschichte, auch wenn ich mir zu erst ein anderes gewünscht hätte. Muss aber auch sagen das ich vorher schon ein anderes Ende im Kopf hatte, welches letztendlich in eine ganz andere Richtung ging.
Zum Schluss kann ich nur noch sagen, dass für mich „Der Astronaut“ der perfekte Einstieg in dieses Genre war. Das Buch hat Lust auf mehr gemacht, es war von vorne bis hinten spannend, wobei es ein, zwei Hänger gab, wo ich die Stellen in der Vergangenheit etwas zu viel fand, die meiner Meinung nach auch einfach hätten weggelassen werden können. Dennoch, ein grandioses Buch, welches ich jedem Genre Liebhaber, aber auch Neuling wärmstens empfehlen kann.
letztes Viertel · entstanden am 4. August 2026
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